Zeit

 

 

So wenig, wie wir unsere Existenz als selbständig entscheidende und handelnde Wesen in Frage stellen, so wenig stellen wir in der Regel unsere Vorstellung von Zeit in Frage. Wir denken uns Zeit ganz selbstverständlich als lineare Abfolge von Zeiteinheiten, und das hat zur Folge, dass wir uns Ursache und Wirkung als einen einzigen causalen Zusammenhang vorstellen. Die Psychoanalyse Freuds und natürlich auch die Primärtherapie Janovs oder das Familienstellen Hellingers beruhen alle auf diesem Denkansatz. Beispiel: "Ich habe heute Probleme mit Frauen, weil meine Mutter mich in meiner Baby-Zeit nicht gestillt hat." Diese Art zu denken, ist längst Allgemeingut geworden.

Was uns die Astrologen sagen, klingt schon ganz anders. Unsere Grundhaltungen sind bereits in unserem Geburts-Horoskop zu finden. Wie kann im Geburts-Horoskop eines Mannes ein problematisches Verhältnis zum anderen Geschlecht gefunden werden, zu einem Zeitpunkt also, wo das Problem mit dem Stillen noch gar nicht in Erscheinung getreten ist? In der Regel beginnt jetzt eine eifrige Suche nach Gründen, die alle in der Vergangenheit liegen. War vielleicht das Mutter-Kind-Verhältnis schon in der Schwangerschaft beeinträchtigt? Oder gibt es am Ende Anhaltspunkte in früheren Leben? Oder gibt es Gründe in der Familiengeschichte? Was war die Ursache hinter der Ursache?

Es gibt eine andere Möglichkeit, die Sache mit den Gründen zu betrachten: Die Ursache hinter der Ursache erscheint als Wirkung in der Welt.

Was heißt das? Ich stelle das Modell grafisch dar:

Dies entspricht unserer gängigen Vorstellung von Zeit und der damit verbundenen Vorstellung von Ursache und Wirkung. The american way of life sagt, um es einmal ganz platt auszudrücken: Wenn du Millionär werden willst, musst du als Tellerwäscher anfangen. Setze die Ursache und die Wirkung wird folgen.

Das oben beschriebene Kreismodell sagt: Die Wirkung zeigt uns die eigentliche Ursache für die Ursache. Dies ist für die meisten Menschen ein dicker Brocken, der ihnen überhaupt nicht schmecken will, zerstört er doch alle Opfervorstellungen und Schuldzuweisungen an irgendwelche Mitmenschen oder Umstände. Um bei dem Beispiel oben zu bleiben: Das problematische Verhältnis zum anderen Geschlecht braucht keine Ursache in der Vergangenheit, braucht keinen Grund. Es existiert, weil es existiert, und niemand weiß, warum das so ist. Es ist einfach so.

Das Kreismodell stellt natürlich auch unsere Vorstellung von Zeit völlig in Frage. Statt an die lineare Abfolge von Zeiteinheiten müssen wir nun vielleicht an die Möglichkeit der Gleichzeitigkeit aller Geschehnisse denken.

Wie stehen wir da, wenn man uns unsere Gründe wegnimmt? Wie stehen wir da, wenn wir einräumen müssen, dass wir einfach so sind, wie wir sind, und dass wir niemanden dafür verantworlich machen können? Wahrscheinlich ist das nur dann zu ertragen, wenn gleichzeitig klar gemacht wird, dass auch uns keine Schuld trifft, dass auch wir uns einfach so vorgefunden haben, wie wir sind.  


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