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Primärtherapie ist ein echtes Kind der 68er Jahre. Der Psychoanalytiker Arthur Janov entdeckte mehr oder weniger zufällig die befreiende Wirkung direkt ausgedrückter Gefühle. Eine andere Wirkung dieses Ausdrucks, die er entdeckte, ist, dass dabei immer mehr verdrängte Erinnerungen aus der frühen Kindheit ins Bewusstsein drängen, die dann wiederum nach Ausdruck verlangen. Auf diese Weise entsteht ein Prozess, der nach und nach alle alten psychophysischen Blockaden auflösen kann. Janov, enttäuscht von der nie enden wollenden Psychoanalyse, hoffte, mit der Primärtherapie den Durchbruch geschafft zu haben: Eine Therapie, die schnell zu konkreten Verbesserungen führte und die in spätestens ein bis zwei Jahren beendet werden könnte.


Heute, aus größerem Abstand, sehen wir, dass Janov zwar wichtige methodische Neuerungen in seine Therapie eingebracht hat, dass aber sein Grundkonzept von den gleichen Voraussetzungen ausging wie das von Freud. Es gab eine traumatische oder defizitäre Zeit in der Vergangenheit, diese Zeit konnte nicht adäquat verarbeitet werden, sondern wurde gewissermaßen unerledigt ins Unterbewusste verdrängt, von dort aus sollte es durch Therapie wieder ans Licht der Bewusstheit geholt und dann aufgearbeitet werden. Die Methoden Janovs bezogen vor allem den körperlichen Ausdruck mit ein, Weinen, Schreien, Strampeln, Schlagen usw., wodurch häufig ein schnelleres und tieferes Voranschreiten im therapeutischen Prozess möglich wurde. Letztlich musste aber auch Janov eingestehen, dass dieser Prozess ohne Ende ist. Zwar kann in den meisten Fällen bald auf einen Therapeuten verzichtet werden, aber das bedeutet nicht unbedingt, dass auf "die Arbeit in der Primal-Box" verzichtet werden sollte.

 

Anders als bei Prati Prasav spielt die persönliche Geschichte in der Primärtherapie eine entscheidend wichtige Rolle. Und das ist auch möglicherweise die Schwachstelle dieser und der meisten anderen westlich geprägten Therapien. Ich fühle mich als Opfer meiner Eltern, der Geschwister, der Lehrer und der Mitschüler, der Partner, der Vorgesetzten, der Gesellschaft, der Umstände. Das ist die Geschichte, an die ich glauben will, und die Therapeuten sollen mich gewissermaßen in diesem Glauben unterstützen. Nun soll ich in der Therapie lernen, mein Elend zu fühlen, und ich soll lernen, vom Opfer zum Täter zu werden. Wenn ich das erreicht habe, so die Hoffnung, dann wird es mir gut gehen. Eine trügerische Hoffnung.


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